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Die traumatisierte Gesellschaft

Zu einer psychischen Traumatisierung kommt es, wenn das Ereignis die psychischen Belastungsgrenzen des Individuums übersteigt und nicht adäquat verarbeitet werden kann. Derartige Erlebnisse sind dadurch gekennzeichnet, dass ein vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten besteht, das mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis bewirkt. (Quelle: wikipedia)

Wir alle sind schockiert und bestürzt über die Ereignisse in Japan, doch wie bei anderen Katastrophen auch ist die Grenze zwischen Information und Voyeurismus hier extrem dünn. Die zahlreichen Medien machen es möglich - überall sind Reporter, Kameras, Fotoapparate. Wir sind sozusagen per TV und Internet "live" dabei - und können nicht wegsehen. Die meisten lesen die Zeitung heute gründlicher als sonst, gucken einen der zahlreichen Brennpunkte im Fernsehen, diskutieren mit Nachbarn und starren atemlos auf Japan und die dort schon passierte und die vielleicht noch anstehende Katastrophe. Wie ein Roland Emmerich-Film mutet das ganze an, aber trotz der Distanz wissen wir, dass die Bilder im Fernseher kein Hollywood-Film, sondern bittere Realität sind.

Psychologen sind sich längst einig, dass Menschen auch durch die nur passive Teilnahme an solchen Katastrophen traumatisiert werden können, bei dem Loveparade-Unglück sorgten zahlreiche Handyvideos im Internet dafür, dass jeder jede Minute des Unglücks hautnah mitverfolgen konnte und mittendrin war. Die Terroranschläge vom 11. September erschütterten die Welt vor allen Dingen auch, weil sie live dabei war und das Ausmaß in jedem Detail breitgetreten wurde. Weinende Angehörige, Tote und Verletzte, tapfere Hilfskräfte und Feuerwehrleute - alles haben wir gesehen, was sonst nur den armen Menschen vorbehalten ist, die tatsächlich im Geschehen stecken.

Aber was sind die Folgen, wenn ganze Gesellschaften ständig solchen Traumata ausgesetzt sind? Werden wir alle irgendwann abstumpfen? Oder zu überängstlichen Neurotikern, die wegen Dioxin-Gift auf Eier verzichten und großmütig anbieten, den Trockner abzuschaffen, um Strom zu sparen und auf Kernenergie zu verzichten?

Viele von uns sind noch von der Tchernobyl-Katastrophe 1986 traumatisiert. Das Thema geriet in Vergessenheit, und 25 Jahre helfen, ein solches Trauma zu verschütten. Doch die Situation in Japan reißt die alten Wunden wieder auf, die Bedrohung wird wieder wirklicher und wahrscheinlicher, vor allem aber wird uns die eigene Machtlosigkeit bewusst in dieser Sache. Wir können uns aus den meisten Gefahrensituationen bewusst heraushalten. Ich kenne Menschen, die keine Autobahnen benutzen, aus Angst vor den möglichen schweren Unfällen. Einige verreisen nicht in Länder wie Ägypten oder Tunesien, weil sie schon immer Terror, Bedrohung und Gefahr für Leib und Leben dort vermuteten. Viele dieser Ängste bleiben irrational, manche aber werden durch Ereignisse bestätigt. Und was passiert dann?
Wird das Volk der Reiseweltmeister zu Stubenhockern? Verbringen wir unseren Urlaub lieber an den deutschen Nordseeküsten (so lange noch keine Windparks uns die Aussicht verschandeln) und wähnen uns in Sicherheit?

Gegen Atomkraft können wir nichts ausrichten. Sie ist für die meisten sogar so komplex, dass wir sie nicht einmal begreifen. Wir müssen uns auf Experten verlassen, die hoffentlich gut ausgebildet und integer sind. Und wenn es in Deutschland zu einer solchen Katastrophe käme, würden die deutschen Ingenieure sich auch opfern für ihr Land, oder würde hier doch der deutsche Michel regieren, der zum Schichtende den Kuli fallen lässt und nach Hause geht? Nach mir die Sinflut...

Wir wissen es nicht, aber wenn Deutsche sich jetzt schon besorgt fragen, ob sie noch ihre Fischstäbchen bedenkenlos essen können oder sich mehrere hundert Euro teure Geigerzähler kaufen, gibt mir das zu denken. Das ist kein rationales Verhalten, das deutet darauf hin, dass wir es hier mit traumatisierten Menschen zu tun haben, die sich neurotisch verhalten. Es besteht für uns keine Gefahr durch die Strahlung in Japan, die selbst vor Ort noch so gering ist, dass bislang kaum ein Mensch (von den Arbeitern vor Ort abgesehen) geschädigt werden wird. Noch nicht. Aber wir sitzen hier, starren auf die Monitore und den Fernseher und warten auf das Schlimmste. Der Voyeur in uns will den Super-Gau sehen, der Kritiker und Ängstliche in uns lauert darauf, dass es passiert, damit wir nachher sagen können: Seht ihr, haben wir doch schon immer geahnt, wie gefährlich das ist.

Und wenn nun doch nichts passiert? Dann ist das für unsere Regierung der Supergau, die mal wieder mit blindem Aktionismus eindrucksvoll die eigene Unfähigkeit gezeigt hat. Ein altes Kraftwerk, nichtmal nach neusten Sicherheitsbestimmungen gebaut, sorgt trotz einer Havarie nach einem enormen Erdbeben und einer riesigen Flutwelle für keine gesundheitsschädlichen Auswirkungen in einem dicht besiedelten Land wie Japan. Es wäre Wasser auf den Mühlen der Atomindustrie, denn die vorgebliche Sicherheit der Technologie wäre endlich einmal eindrucksvoll bestätigt. Ich hoffe für die Japaner, dass dieser Fall eintritt, egal, welche Folgen das für uns hier hat. Denn die Folgen für Japan wären im Fall eines Supergaus absolut verheerend genug. Meine Gedanken sind in diesen Tagen bei den Japanern, denen ich nicht helfen kann, für die ich selbst nichts tun kann. Wäre ich gläubig, würde ich für sie beten...
18.3.11 08:01
 



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